In den letzten beiden Wochen wurde viel über das Trainerkarussell diskutiert, an dem sich fast die halbe Bundesliga beteiligt hat. In München wird Jupp Heynckes wahrscheinlich Louis van Gaal ersetzen. Für Jupp Heynckes Platz in Leverkusen ist Robin Dutt vom SC Freiburg der Favorit. Schalke hat mit Ralf Rangnick seinen neuen alten Trainer vorgestellt, der ab Montag den Trainingsbetrieb leiten wird. Bleibt noch der HSV, bei dem zuerst einmal Michael Oenning das Training leitet. Doch wird ihm keine Chance gegeben dies über die Saison hinaus zu machen. Aktuell hat sich der VfL Wolfsburg hinzugesellt. Nachdem Felix Magath unter der Woche auf Schalke entlassen wurde beziehungsweise gekündigt hat, ist der Weg für Wolfsburg frei, seinen Meistertrainer in die Autostadt zurückzuholen.
Kellerkinder unter sich
Es wird aber auch noch Fußball gespielt. Dabei kommt es am 27. Spieltag zu einer interessanten Konstellation. Die letzten sechs Mannschaften der Tabelle treffen aufeinander. Der 27. Spieltag startet heute Abend mit der Partie Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Kaiserslautern. Am Samstag kommt es zur Partie Eintracht Frankfurt gegen den FC St. Pauli und am Sonntag empfängt der VfB Stuttgart den VfL Wolfsburg. Zwar wird an diesem Spieltag der Abstieg nicht entschieden, doch kann ein Erfolgserlebnis zu diesem Zeitpunkt die nötigen Körner für den Schlussspurt freisetzen.
Die Qual der Wahl für Kurz
Unter Lucien Favre ist ein Aufwärtstrend der Gladbacher zu erkennen. Doch nach dem letzten Spiel in Bremen stellt sich die Frage, ob Gladbach die Klasse halten kann. Im Spiel in Bremen spielte nur eine Mannschaft und das waren die Gastgeber, welche es nicht verstanden, das Spiel frühzeitig zu entscheiden. Das Tor in der Nachspielzeit resultierte aus einer Fehlerkette der Bremer, angeführt von Wesley, der den Ball im Mittelfeld verlor und dann unnötig foulte. Favre holte in seinen vier Spielen als Trainer 7 Punkte. Doch die Hypothek aus der Hinrunde ist groß. Mit 23 Punkten beträgt der Abstand auf die Nichtabstiegsplätze schon 5 Punkte. Um die Klasse zu halten, sollten mindestens 35 Punkten notwendig sein. Was zu bedeuten hat, dass Gladbach noch vier seiner letzten acht Spiele gewinnen müsste. Ob dies gelingt?
In Kaiserslautern konnte am letzten Spieltag der freie Fall gestoppt werden. Nach jeweils vier Unentschieden und Niederlagen in der Rückrunde, gelang gegen den SC Freiburg in letzter Minute der erste Rückrundenerfolg. Mit Nemec und Hoffer trafen beide Stürmer. Dies eröffnet für Trainer Marco Kurz mehrere Optionen, da auch der in der Hinrunde so erfolgreiche Lakic wieder zur Verfügung steht. Im Tor wird Kevin Trapp wieder durch Stammtorwart Tobias Sippel ersetzt.
Letztes Spiel für Skibbe?
Am Samstag ist St. Pauli zu Gast in Frankfurt. Die Eintracht ist die schlechteste Rückrundenmannschaft der Bundesliga. Zwei Punkte in neun Spielen zeigen den Trend eindeutig an. Es geht abwärts. Zwar wurde am letzten Spieltag durch Georgios Tzavellas das erste Tor der Rückrunde erzielt. Doch reichte dieses auch nicht zum ersten Dreier in diesem Jahr. Michael Skibbe hat mit Heribert Bruchhaben zwar einen Vorgesetzten, der in seiner 20-jährigen Tätigkeit im Profigeschäft erst einen Trainer vorzeitig entlassen hat. Doch auch Skibbe kennt die Gesetze des Marktes. Ausschlaggebend ist der Erfolg und der bleibt momentan aus. Am letzten Spieltag saß Frankfurts Toptorjäger der Hinrunde Theofanis Gekas erstmals auf der Bank. Für ihn stürmte Amanatidis. Dieser blieb auch ohne Torerfolg. Von der stabilen Eintracht aus der Hinrunde ist nicht mehr viel zu sehen. Die Spieler wirken gehemmt, gingen sie doch in der Hinrunde noch davon aus, zum Saisonende klar in der oberen Tabellenhälfte zu stehen. Es wirkt so, als seien die Spieler mit der jetzigen Situation überfordert und würde sich selbst einen zu großen Druck auferlegen. Hinzu kommt, dass Ralf Fährmann nicht an seine guten Leistungen anknüpft, die er in der Hinrunde gezeigt hat. Als er erstmals Oka Nikolov vertrat. Ein unsicherer Torwart, eine wackelige Abwehr und ein ungefährlicher Torwart sind eigentlich die Attribute mit denen man einen Absteiger beschreibt.
Auf St. Pauli hingegen ist man sich seit Anfang der Saison bewusst, dass man bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg spielt. Holger Stanislawski sitzt fest im Sattel und würde auch nicht im Falle des Abstieges entlassen. Dieser scheint momentan nicht so unwahrscheinlich. Fallen doch mit Zambrano, Rothenbach, Moreno und Oczipka alle Spieler der Viererkette bis zum Saisonende aus. Aushilfsweise hilft Finn Bartels als Außenverteidiger aus, doch fehlt dieser somit in der Offensive. Seit dem Derbysieg gegen den HSV am 23. Spieltag gab es für die Hamburger vier Niederlagen. Diesen Trend geht es nun gegen die ebenfalls erfolglosen Frankfurter zu stoppen. Hoffnung macht Stanislawski die Rückkehr von Matthias Lehmann der das Offensivspiel wieder ankurbeln soll.
Der Trend spricht für Stuttgart – Doch was vermag Magath?
Am Sonntag treffen in Stuttgart zwei Mannschaften aufeinander, die niemand im Abstiegskampf erwartet hat. Die Stuttgarter die den Substanzverlust durch die Abgänge von Lehmann und Khedira zunächst nicht kompensieren konnten und die Wolfsburger, die mit dem Meisterkader von 2009 nichts mehr gemein haben. Der Trend spricht für Stuttgart. Die letzten drei Spiele wurden gewonnen. Zwar waren es teilweise glückliche Siege, doch auch diese zählen. Wolfsburg hingegen verlor sechs seiner letzten sieben Spiele. Bruno Labbadia hat es geschafft aus den Spielern der Stuttgarter wieder eine Einheit zu formen und mit diesen den Abstiegsplatz, den sie lange innen hatten, zu verlassen. Ulreich hatte die letzten beiden Spiele nachdem er schon aussortiert war, überragend gehalten und selbst die Doppelsechs mit Kuzmanovic und Gentner erfüllt ihre Aufgabe. Das Problem mit dem alle Trainer diese Saison in Stuttgart zu kämpfen hatten, sind die Verletzungen. Bruno Labbadia werden an diesem Spieltag, Cacau, Boulahrouz, Funk, Boka und Ziegler sowie die gesperrten Delpierre und Harnik nicht zu Verfügung stehen.
In Wolfsburg hingegen vermag Pierre Littbarski es nicht, aus der Ansammlung von Einzelkönnern ein Team zu formen. Die Schuld liegt in den Augen der Fans hauptsächlich an Manager Dieter Hoeneß, der trotz Millioneninvestitionen nicht in der Lage war, ein Team zusammenzustellen, dass im sich im oberen Drittel der Tabelle festsetzt. Mit der Verpflichtung von Steve McLaren hat Hoeneß kein glückliches Händchen bewiesen und dann noch zu lange an ihm festgehalten. Mit Diego wurde ein Spieler verpflichtet, der jederzeit ein Spiel alleine entscheiden kann. Doch diese Qualitäten zeigt er in Wolfsburg kaum. Schalten die Gegner Diego aus, ist Wolfsburg handlungsunfähig. Darauf hat die Führung des VfL Wolfsburg nun gehandelt. Laut Informationen des Kicker wird heute Nachmittag Felix Magath als neuer Trainer vorgestellt. Was mit Pierre Littbarski passiert ist unklar. Klar ist wohl hingegen, dass Magath wieder in Doppelfunktion bei den Wolfsburgern tätig sein wird. Somit ist kein Platz mehr für Dieter Hoeneß. Laut dem Kicker sollem sich Aufsichtsrat und Geschäftsführer Hoeneß auf eine einvernehmliche Trennung geeinigt haben.